Aus der Geschichte

90 - 260 n.Chr.: Die römische Zeit

Nachdem sich die Römer zu Beginn unserer Zeitrechnung vollständig aus Norddeutschland zurückgezogen  hatten, bildeten der Rhein und die Donau die Grenze des römischen Reiches. Die Grenze zog sich vom Rhein bei Koblenz entlang des mittleren Neckars, quer durch Süddeutschland, bis zur Mündung der Altmühl in die Donau. Damals entstanden die folgenden Kastelle entlang des Neckarlimes: Wimpfen, Walheim, Benningen, Böckingen, Cannstatt und Köngen. Angesichts der von den Germanen drohenden Gefahr wurde der Limes im Jahre 150 n.Chr. in den schwäbischen Wald bis auf die Linie Öhringen-Lorch vorverlegt und später durch Wall und Graben verstärkt. In den eroberten Gebieten wurde alsbald ein umfangreiches militärisches Straßennetz angelegt, von denen auch durch unsere Gegend mehrere Römerstraßen führten. Die heutige Bundesstraße 10 folgt im Wesentlichen einer vielbegangenen Römerstraße vom Kastell bei Cannstatt (das wie die übrigen Kastelle des Neckarlimes um das Jahr 90 erbaut wurde) entlang dem rechten Neckarufer, durch das heutige Plochingen, herauf durch das Filstal über Süßen, Heidenheim bis zur Donau. Das Kastell Köngen wurde um das Jahr 150 n.Chr. durch eine andere Römerstraße über Plochingen, Faurndau und den Schurwald mit dem Kastell Lorch im Remstal verbunden. Auch eine weitere Römerstraße über die Fildern nach Cannstatt ging von Köngen aus. An den verschiedenen Orten der Gegend wurden zahlreiche Spuren römischer Gebäude gefunden. Es waren Gutshöfe (Villen) die sich bei Wernau (1811 auf der südlich des Ortes ansteigenden Höhe aufgedeckt), Deizisau (westlich des Ortes), bei Altbach und vermutlich auch auf dem Kirchberg bei Plochingen befanden.

260 n.Chr.: Die alemannische Zeit

Im Jahre 213 wurden die Alemannen (Alemannen bedeutet so viel wie Männerverband) zum ersten Mal erwähnt, als sie über den Main in das römische Reich einzudringen versuchten. Vermutlich war dieser Stammesbund eine Vereinigung verschiedener sübischer Völkerschaften Mitteldeutschlands, welche sich zu einer planmäßigen Durchführung eines großen kolonisatorischen Unternehmens zusammengeschlossen hatten. Die Alemannen eroberten im Jahre 260 n.Chr. das Neckarland. Sie überstiegen den Limes und wurden unsere Vorfahren, nachdem sie die Römer vertrieben und ihre Niederlassungen in Asche legten. In dem Jahrhundert nach der Landnahme gelang es den Alemannen, den Rhein zu überschreiten und das Elsaß und Teile der Schweiz in Besitz zu nehmen. Bei ihrem weiteren Vorgehen wurden sie allerdings von den Römern aufgehalten und so zu festen Wohnsitzen gezwungen. Wie alle anderen Germanenstämme waren die Alemannen in Hundertschaften zusammengeschlossen. Jeder einzelnen Sippe wurde innerhalb dieser Hundertschaft Land zum Siedeln zugeteilt. Der Name des Ortes, an dem sich die Sippe niederließ, wurde aus dem Personennamen des Sippenältesten, eines Adeligen, durch Anhängen der Silbe "-ingen" gebildet. Die Gegend des heutigen Plochingens erwählte die Sippe des Blocko zum Wohnsitz und nahm die hiesige Feldmark in Besitz. Nach der Gründung des Dorfes war  Plochingen mit vielleicht 100 Einwohnern in der Hauptsache um die "Vordere Gasse" (heutige Marktstraße) ausgebreitet. Allmählich schlossen sich die übrigen Gassen an, die "Hintere Gasse" (Bergstraße), "Untere Gasse" (Neckarstraße) und "Obere Gasse" (obere Marktstraße). Auf dem Kirchberg schlug der Sippenälteste (Familienoberhaupt) seinen Wohnsitz auf. In das 3. oder 4. Jahrhundert ist die Gründung Plochingens anzusetzen.

1146 n.Chr.: Die Herren von Plochingen

Erstmals erscheint der Name Plochingen schriftlich in einer Urkunde des Jahres 1146 n.Chr., in welcher König Konrad III. von Hohenstaufen (1138-1152) dem Kloster Oberzell bei Würzburg die rechtmäßige Erwerbung des Eigenguts Moos bestätigt. Die zweite Urkunde stammt aus dem Jahre 1153, in der Plochingen auftaucht. Ausgestellt von König Friedrich I. (Barbarossa 1152-1190). Eine weitere Urkunde stammt aus dem Jahre 1220. Wie aus diesen Urkunden hervorgeht, stand an der Spitze Plochingens im 12. und 13. Jahrhundert ein adeliges Geschlecht, das sich in der Gefolgschaft der hohenstaufischen Könige befand und auch auswärtige Besitzungen hatte.

1331: Die Zeit der Staufer

Unter den Staufern entstand im Bereich des heutigen Burgplatzes eine Wasserburg, die 1331 den Namen "Reichsfeste" führte, eine Bezeichnung, die nur vom Kaiser verliehen wurde und die Bedeutung der Anlage zeigt. Tatsächlich waren die Herren von Plochingen treue Gefolgsleute der Staufer, was in Urkunden belegt ist.

14. Jahrhundert: Marquardt von Randeck

Im 14. Jahrhundert kam Plochingen in den Besitz anderer Adelsgeschlechter. 1366 erhielt Marquardt von Randeck, Bischof von Augsburg und Patriarch von Aquileia, für seine Verdienste um Kaiser und Reich die Plochinger Burg. In seinem Testament von 1371 vermachte er Plochingen Wald, Viehweiden und verschiedene "Gerechtigkeiten", darunter den offenen Frucht-, Salz-, Vieh- und Weinhandel. Eine Erinnerungstafel im Alten Rathaus gibt heute noch Aufschluss über diese großzügige Schenkung, die zum Aufblühen Plochingens wesentlich beitrug. Marquardts Name lebt heute noch in der Marquardtstraße, der Marquardtschule und dem Marquardtfest fort.

1618 – 1648: Der Dreißigjährige Krieg

Auch Plochingen wurde von diesem unseligen Religionskrieg, der von 1618 - 1648 Deutschland durchtobte und in Trümmer legte, heimgesucht. So wird berichtet, dass 1621 die Kipper- und Wipperzeit (unter Kippen verstand man das Ausprägen geringwertiger Münzen, unter Wippen das Verschieben der guten Münzen in andere Länder) war. Und vom Jahre 1623 heißt es, dass die Hungersnot bei den Armen hier sehr groß war. Die Steuern und Lasten stiegen von Jahr zu Jahr, obwohl niemand mehr Geld hatte. Am 27. August 1634 wendete sich die Lage aufs Furchtbarste durch den verhängnisvollen Ausgang der Schlacht bei Nördlingen, in der die ganze württembergische Landmiliz, 4000 Mann stark, untergegangen ist. Den geschlagenen Truppen war der Rückzug nach Cannstatt angewiesen, doch sie gerieten in die größte Verwirrung, Unordnung und Trennung. Nach der Schlacht ritten und liefen die Leute weit und breit durch das Land, raubten, plünderten und verdarben alles, bis sie sich endlich größtenteils in Heilbronn sammelten. Nachdem der Herzog nach Straßburg flüchtete, war Württemberg den feindlichen Scharen preisgegeben. Die Eroberung des Herzogtums nahm König Ferdinand selbst in die Hand. Von Göppingen aus zog ein Teil des kaiserlichen Heeres das Filstal herab und fiel sengend und brennend in das Neckarland ein. Die Kaiserlichen erreichten am 16. September 1634 Plochingen und wüteten überall mit Raub, Mord und Brand. Die Einwohner wurden von den entmenschten Kriegern aufs schrecklichste misshandelt. Die Einwohnerschaft flüchtete zum großen Teil in die festen Städte Nürtingen und Esslingen, andere verbargen sich in den umliegenden Wäldern. Zu all dem Unglück kam noch ein anderer unheimlicher Gast ins Land, die Pest. Sie raffte fast ganze Dörfer weg und wütete in den Monaten Juli, August und September des Jahres 1635 besonders stark. Am hiesigen Ort war niemand mehr da, der das öffentliche Leben begleitet und für eine ordnungsmäßige Bestattung der Toten gesorgt hätte. Die Unsicherheit im Land verstärkten neben den regulären Truppen die irregulären Banden in Stärke von 50 bis 100 Reitern beider Heere, die sich umhertrieben und die Städte und Dörfer überfielen. War Plochingen vor dem Dreißigjährigen Krieg ein blühendes Gemeinwesen mit 1320 Einwohnern, so waren es nach dem Jahr 1635 gerade noch 250.

Oktober 1648: Westfälischer Frieden

Bei den Friedensverhandlungen in Münster wurde im Oktober 1648 den Schrecken des Krieges endlich ein Ende gemacht, bei denen sich Herzog Eberhard III. durch seinen Gesandten Varnbüler trefflich vertreten ließ. Herzog Eberhard III. bekam sein Land ungeschmälert zurück, auch der Protestantismus im Land war gerettet. Durch den furchtbaren Krieg ist unser Heimatdorf im Ganzen gesehen schwer geschädigt worden und hat sich nur langsam wieder von diesem Niederbruch erholt. Bis es die Bevölkerungszahl von 1634 wieder erreicht hatte, brauchte es fast zwei Jahrhunderte. Nie wieder erlangte Plochingen allerdings seine alte Stellung auf dem Gebiet als Salz-, Frucht- und Weinhandelsplatz. Diese Stellung ist im Dreißigjährigen Krieg für immer verloren gegangen.

18. Jahrhundert: Plochingen wird Poststation

1698 wurde Plochingen Poststation der kaiserlichen Postlinie Antwerpen - Venedig. Postgebäude war das Stübersche Wirtshaus an der Landstraße, an dessen Stelle heute das Gasthaus zum Waldhorn steht. Von 1770 bis 1816 gab es sogar noch eine zweite Posthalterei in der Marktstraße, die heutige Apotheke am Markt.

1801 und 1824: Unwetterschäden in Plochingen

Als am 30. Mai 1801 im ganzen Lande ein schweres Hagelwetter wütete, wurde Plochingen besonders betroffen. Wolkenbruch begleitete den Hagel, der an vielen Stellen halbmeterhoch lag. Überschwemmungen zwangen viele Bewohner der unteren Stockwerke, diese zu verlassen, Wagen, Karren, Brückenreste und Holz türmte sich in den überschwemmten Straßen aufeinander. Die Felder, Gärten und Weinberge wurden gänzlich zerstört. Die Fenster an der oberen Kirche wurden durch den Hagel so ruiniert und zerschlagen, dass sie nicht mehr repariert werden konnten. Das größte Hochwasser, das sich bisher je in geschichtlicher Zeit nachweisen ließ, ereignete sich im Oktober 1824. Durch die Überschwemmung wurden die Ufer des Neckars und der Fils im Bereich der Plochinger Markung schwer beschädigt.

1846: Anschluss an die Eisenbahn und Industrialisierung

Bereits im Jahr 1846 - nur ein Jahr nachdem in Württemberg zum ersten Mal eine Eisenbahn auf der Strecke Stuttgart - Cannstatt in Betrieb geht - wurde Plochingen an die Eisenbahn angeschlossen und schon wenige Jahre später 1859 wurde Plochingen Eisenbahnknotenpunkt. Die Eisenbahn bestimmte einige Jahrzehnte die weitere Entwicklung, es beginnt die Zeit der Industrialisierung. In Plochingen entstehen namhafte Industrieunternehmen wie Gutbrod Motorenbau, die Spinnerei Otto, die Waldhornbrauerei oder die Mühlsteinfabrik Dettinger. Der einst bedeutende Weinbau kommt zum Erliegen.

19. Jahrhundert: Historische Ereignisse im Waldhorn

Gleich drei Mal war die Gaststätte "Waldhorn" Ort historischer Ereignisse: 1827 findet hier das erste deutsche Sängerfest statt, 1853 die erste deutsche Feuerwehrversammlung und 1888 ist das Waldhorn Gründungsort des Schwäbischen Albvereins.

1913: Große Verwüstungen durch einen Wirbelsturm

Ein Wirbelsturm mit einer Stärke, wie er für unsere Gegend bisher ohne Beispiel war, fegte am Sonntag, dem 1. Juni 1913 über Plochingen hinweg. Augenzeugen schildern das Unglück mit folgenden Beschreibungen: "Um 17.30 Uhr zogen mit Eilzugsgeschwindigkeit zwei khakifarbene Wolkenballen auf fahlem Hintergrund, der sie begleitete, einander entgegen; die eine kam das Neckartal herauf, die andere scheinbar vom Neckartal (Köngen) herab. In dem dreigeteilten Talkessel von Plochingen, wo den Tag über eine unverrückbare Hitzewelle gelagert hatte, stießen die gewitterschweren Wolken aufeinander. Sie entluden sich unter Blitz und Donnerschlägen in gewaltigen Wassergüssen und gleichzeitig entfesselte sich ein Wirbelsturm von einer Wucht, wie sie sich der phantasievollste Naturschilderer nicht vorgestellt hätte. Von unserem Beobachtungsposten aus im Waldhornsaale sahen wir Ziegelplatten wie federleichte Papierschnipsel in der Luft umherfliegen; dazwischen hinein kam gelegentlich ein umfangreicherer Gegenstand daher geschwirrt. Dazu erfüllte die Luft ein unbeschreibliches Getöse, wie es der mit klatschendem Regen vermischte Sturm, der durch Gassen, Hofräume und Baumgeäste heulend dahin braust, hervorbringt. Fast so schauerlich als der Sturm selbst hörte sich das Sturmläuten und das Signalblasen der Feuerwehr an. Plötzlich ließ die Gewalt des Zyklons jählings nach und freundlich, wie wenn nichts Böses geschehen, schaute die Sonne das Trümmerfeld an" (Schwäb. Merkur).

1948: Die Erhebung Plochingens zur Stadt

Durch Entschließung des Staatsministeriums vom 13. April 1948 wird die Gemeinde Plochingen zur Stadt erhoben.

1953: Der Stadtteil Stumpenhof entsteht

Nach dem zweiten Weltkrieg nimmt Plochingen zahlreiche Heimatvertriebene auf. Das rasche  Bevölkerungswachstum ist Auslöser für die Gründung des neuen Stadtteils "Stumpenhof" am Schurwaldrand. Die ersten Häuser waren damals noch weit vom Stadtkern entfernt, inzwischen sind die Wohngebiete zusammengewachsen.

Fünfziger Jahre

1958 entsteht ein Neubau der Burgschule, ein Jahr später wird das Hallenbad - eines der ersten im Kreis - gebaut.

Sechziger Jahre

Auf dem Stumpenhof wird 1960 für den wachsenden Stadtteil die St. Johann-Kirche und 6 Jahre später die Paul-Gerhardt-Kirche gebaut. Das Plochinger Gymnasium beginnt 1964 mit dem Unterricht und zieht 1968 in ein neues Schulhaus ein. Mit Burgschule, Realschule und dem Gymnasium ist Plochingen nun Schulstadt für die nähere Umgebung. 1968 wird der Plochinger Hafen eingeweiht und gibt der Industrie neue Impulse. Der Binnenhafen ist der Endhafen der Neckarschifffahrt und wichtiger Umschlagplatz für Güter auf dem Weg nach Süden.

Siebziger Jahre

In den siebziger Jahren wird auf halber Hanghöhe das Baugebiet Lettenäcker I erschlossen; 1972 ist der Baubeginn. Es beginnt die Innenstadtsanierung: eine neue Straßentrasse verlegt den Autoverkehr aus der Innenstadt, die Marktstrasse wird Fußgängerzone. In diesem Zusammenhang wird das Alte Rathaus an den heutigen Marktplatz versetzt, der 1978 eingeweiht werden kann. Die Infrastruktur wird verbessert: es entstehen die Sporthallen in den Schafhausäckern und in den Burgäckern, die Stadthalle wird umgebaut. 1978 wird Plochingen als Teil des Verkehrsverbundes Stuttgart an das S-Bahnnetz angeschlossen, im neuen Bahnbetriebswerk werden die S-Bahnen des gesamten mittleren Neckarraums gewartet.

​Achtziger Jahre

Die Innenstadtsanierung findet in der Neugestaltung der unteren Marktstraße und des Fischbrunnenplatzes ihre Fortsetzung. 1986 wird das Kreiskrankenhaus auf dem Stumpenhof eingeweiht. In einem 1983 neu angelegten, ca. 1 ha großen Weinberg findet 1986 die erste Weinlese statt; nach rund 60 Jahren wird zum ersten Mal wieder Plochinger Hansenwein gelesen. Zu verdanken ist diese Neuanlage einer Stiftung und dem Verein zur Förderung des historischen Weinbaus.

Neunziger Jahre

In den Lettenäckern entsteht das Baugebiet Lettenäcker II, die ersten Häuser sind 1994 bezugsbereit. Das Alten- und Pflegeheim Johanniterstift wird 1990 eingeweiht. Die Sanierung der unteren "Marktstraße Süd" findet mit der Einweihung des Wohn- und Geschäftshauses "Unterm Regenturm", dessen Innenhoffassade der Wiener Künstler Friedensreich Hundertwasser gestaltet hat, ihren Abschluß. 1998 ist Plochingen Gastgeber der 16. baden-württembergischen Landesgartenschau. Die Neckarauen werden renaturiert, die Stadt wieder mit dem Neckar verbunden, es entsteht ein dauerhafter Landschaftspark, der der ganzen Umgebung als Naherholungsgebiet dient.