© Matthias Stutte

Theaterprogramm 2016 / 2017

„Benefiz - Jeder rettet einen Afrikaner“

Montag, 10. Oktober 2016, 20 Uhr

Komödie von Ingrid Lausund - Gastspiel der Burghofbühne Dinslaken

Die Worte „Afrika“ und „Spenden“ lösen zuverlässig die immer gleichen Bilder von abgemagerten Kindern mit großen Augen aus. Reflexartig folgt das schlechte Gewissen und die Gewissheit: „Da müsste man mal was machen“. Fünf übermotivierte Menschen versuchen gemeinsam eine würdevolle, attraktive, spritzige und völlig diskriminierungsfreie Charity-Veranstaltung für den Bau einer Schule in Guinea-Bissau in Westafrika auf die Beine zu stellen. Doch der Grat der Political Correctness ist gefährlich schmal – im Gegensatz zu den Egos der Gutmenschen auf der Bühne. Soll es eine selbst gebastelte Palme geben oder nicht? Darf man die afrodeutsche Freundin ins Programm einbauen, wenn alle C-Promis abgesagt haben, oder ist das zu sehr Klischee? Und ist sie überhaupt schwarz genug? Wieso darf man das Wort Barmherzigkeit eigentlich nicht verwenden? Und vor allem: Sind alle Menschen wirklich gleich viel wert? Die Probe ist anstrengend, nervenaufreibend und treibt die Befindlichkeiten aller Beteiligten bis an die Schmerzgrenze. Wo sind die Grenzen des guten Geschmacks? Darf man die Wahrheit aussprechen? Der versteckte Rassismus lauert schließlich überall! Also machen sich am besten alle erst mal ein bisschen locker…

Eine bissige Komödie, die pointiert die Sorgen um Political Correctness, das eigene schlechte Gewissen und die Grenzen des Anstands gekonnt aufs Korn nimmt.

„Die Blechtrommel”

Freitag, 18. November 2016, 20 Uhr

Schauspiel nach dem Roman von Günter Grass - Gastspiel der Konzertdirektion Landgraf

Im Rückblick erzählt der mittlerweile fast auf Normalgröße gewachsene Blechtrommler Oskar Matzerath von seinem Leben – angefangen von der Zeugung seiner Mutter auf einem kaschubischen Kartoffelacker 1899 bis zu seinem 30. Geburtstag 1954: Zwei Väter hat der 1924 in Danzig geborene Oskar, dessen geistige Entwicklung nach eigenen Angaben schon bei der Geburt abgeschlossen war: den polnischen Vetter seiner Mutter, mit dem sie ein Verhältnis hat, und ihren deutschen Ehemann, den Kolonialwarenhändler Alfred Matzerath. An seinem dritten Geburtstag stoppt Oskar sein Wachstum mit einem gezielten Sturz auf der Kellertreppe und entdeckt gleichzeitig, dass er die zerstörerische Gabe besitzt, Glas zu zersingen. An diesem Tag bekommt er auch seine erste Blechtrommel geschenkt, die für ihn zum Protest- und Verweigerungs-Instrument wird. Mit ihr wird er durch einen Walzertakt den martialischen Marschrhythmus der Nazis durcheinander bringen, mit ihr begleitet er den kleinwüchsigen Clown Bebra drei Jahre beim Fronttheater im besetzten Frankreich, durch sie verschuldet er den Tod seines Zweitvaters beim Einmarsch der Siegermächte 1945, mit ihr wird er auf Konzertreisen und mit Schallplatten ein reicher Mann.

Natürlich kommen bei Volkmar Kamm wie auch schon bei Grass die amourösen Verwicklungen der Familie Matzerath & Co. nicht zu kurz, für die der Jahrhundertroman berühmt-berüchtigt ist. Angefangen mit der Urszene auf dem Kartoffelacker über die mütterlichen Seitensprünge, die Oskar als neugieriger Augenzeuge beobachtet, bis hin zur berühmt gewordenen Brausepulver-Episode enthält Kamms Dramatisierung alles, was man an Bildern nach Lektüre und Film im Kopf hat.

„Spätzle mit Soß!“

Mittwoch, 11. Januar 2017, 20 Uhr

Kabarett-Komödie mit Berthold Biesinger und Bernhard Hurm - Gastspiel des Theaters Lindenhof Melchingen

Gedichte, Geschichten, Szenen und Leider. Was macht ihn aus, den Schwaben? Warum ist er so eigen? Was steckt in ihm, hält ihn zusammen und bei Laune? Kommet her! Blodzed eich na! Vrgessed des ganz Bubabberlesglombb! Machet euch locker, lachet ond lassets eich schmegga. A digger Bauch kommd ao ed vo gloine Spätzle!

Berlin bildet sich einiges darauf ein, so international zu sein. Der Migrantenanteil liegt in Baden-Württemberg mit knapp 27% aber höher. Hamburg ist stolz auf seine Wirtschaftskraft, doch die meisten deutschen Weltmarktfirmen sind im Musterländle zu Hause, wo auch die Arbeitslosenquote die niedrigste der ganzen Republik ist. In Sachsen glauben sie, man habe einen besonders lustigen Dialekt, dabei bleibt das Schwäbische unübertroffen.

Laut einer Playboy-Umfrage finden 18 % der Deutschen Schwäbisch sexy. „Spätzle mit Soß!“ zeigt die ganze Bandbreite dieses Dialekts als köstliche und kurzweilige Unterhaltung.

„We shall covercome - Pete Seeger“

Mittwoch, 08. März 2017, 20 Uhr

Musiktheater von Heiner Kondschak - Gastspiel des Theaters Lindenhof Melchingen

Das Leben und die Lieder von Pete Seeger, dem berühmten US-amerikanischen Folk-Musiker, Singer-Song-Writer, politischen Aktivisten und Umweltschützer werden von Heiner Kondschak, einem gefeierten und erfolgreichen Autor, Musiker und Regisserut in Szene gesetzt.

Kondschaks musikalische Biographien im Grendbereich zwischen Theater und Konzert begeistern Jung und Alt gleichermaßen. Diese Großproduktion ist ein Muss für alle Seeger-, Kondschak- und Musiktheaterliebhaber.

Peter „Pete“ Seeger (1919-2014) hat mit seinen Liedern nicht nur Friedens-, Gewerkschafts- und Freiheitsbewegungen inspiriert, sondern auch ganze Generationen von Folk- und Rockmusikern, Liedermachern und Protestsängern wie Bob Dylan, Joan Baez oder Bruce Springsteen. Weltbekannt wurden seine Songs “Where have all the flowers gone”, “We shall overcome” oder “If I had a hammer”. Sein Musikschaffen war geprägt vom Einsatz für die Arbeiter- und Bürgerrechtsbewegungen sowie den Umweltschutz. Noch im hohen Alter sang er im Weißen Haus bei Obamas Amtseinführung, aber auch auf der Wall-Street für die Occupy-Bewebung. Zu Recht zählt er zu den kulturell Größten der Vereinigten Staaten.

„Ich bin das Volk“

Dienstag, 25. April 2017, 20 Uhr

Schauspiel von Franz Xaver Kroetz - Gastspiel des Landestheaters Schwaben

Grelle Farce, scharfer Zeitkommentar, Polit-Comedy und ein allzu deutsches Volksstück. 1993 fetzte Franz Xaver Kroetz seine Szenenfolge zu "Ausländerhaß, Neonazitum, Not und Feigheit" aufs Papier. Von ihm selbst als Gebrauchsstück für den Augenblick gedacht, entfalten diese Szenen heute angesichts gesellschaftlicher Enge und sozialen Abstiegs eine gnadenlos aktuelle Wucht.

„Aus aktuellem Anlass“ schrieb Kroetz seine „volkstümlichen Szenen aus dem neuen Deutschland“. Das Deutschland ist nicht mehr neu, aber der Anlass hat nichts von seiner Hässlichkeit eingebüßt: Demonstationszüge haben sich den Slogan „Ich bin das Volk“ zu eigen gemacht; der NSU-Prozess lenkt den Blick auf ein jahrelang und deutschlandweit operierendes rechtes Netzwerk, blind beobachtet vom Verfassungsschutz; die AfD rutscht nach rechts und gewinnt weiter Wähler; die EU kann sich zu keiner entschiedenen Hilfe für die Flüchtlinge der Kriege dieser Welt durchringen… Kroetz schafft in diesem  Stück schnelle, energetische Szenen von starker Theatralität. Und er legt mit den darin auftretenden aggressiv tumben Neonazis, den scheintoleranten Politikern, den gutmenschelnden Künstlern und feigen Lehrern brutal und hart den Finger in die deutsche Wunde: Was ist das für ein merkwürdiges Volk, das aus dem dritten Reich zu viel und zu wenig zugleich gelernt zu haben scheint?

Flyer Theaterprogramm 2016 / 2017 (2,594 MiB)