Von der Mühlsteinfabrik zum Kulturpark

Im Jahre 1852 gründete der Leinenwebermeister Johann Georg Dettinger in Plochingen eine Handelsfirma für Müllereibedarfsartikel. Bereits nach wenigen Jahren konnte er expandieren und sein Angebot um den Produktionszweig Mühlsteinherstellung ausbauen. Für seinen neuen Betrieb erwarb er ein großes Areal in Bahnhofsnähe zwischen der Esslinger und der Urbanstrasse – das Gelände des heutigen „Kulturpark Dettinger“. 1871 entstand das erste Produktions- und Arbeiterwohngebäude. Nach und nach folgte der Bau weiterer Fabrikations-, Lager- und Bürogebäude für Mühlsteinproduktion und Handel, Mühlen in ganz Europa wurden mit Dettinger-Mühlsteinen aus Plochingen beliefert. 1901 schließlich baute der Fabrikant als Wohnhaus für sich und seine Familie eine schöne Jugendstilvilla neben die florierende Fabrik, umgeben von einem herrlichen großen Gartenpark. Bis in die 50er Jahre blieb die Mühlsteinproduktion ein gutes Geschäft.

In den sechziger Jahren, als aufgrund modernerer und rationellerer Mahlmethoden der Bedarf an Mühlsteinen stark zurückging, stellte die Firma Dettinger die Produktion auf Schleifscheiben um, konnte aber dem wachsenden Konkurrenzdruck größerer und modernerer Firmen nicht stand halten. Ende der 80er Jahre schließlich wurde die Produktion ganz eingestellt. 1990 erwarb die Stadt Plochingen das gesamte Firmengelände im Herzen der Innenstadt mit den historischen Produktionsgebäuden, der Fabrikantenvilla und dem Gartenpark.

Die Gebäude aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert, die wertvolle Zeugen der Arbeitswelt dieser Zeit darstellen, wurden ebenso wie die Villa Dettinger und der Gartenpark als kulturell wertvolles Ensemble unter Denkmalschutz gestellt. Nach und nach wurden die einzelnen Gebäude durch die Stadt Plochingen behutsam saniert und mit neuem Leben erfüllt, das gesamte Areal wurde der Bevölkerung als öffentliche Parkanlage zugänglich gemacht. Aus der ehemaligen Mühlsteinfabrik J.G. Dettinger wurde der heutige „Kulturpark Dettinger“.